Ein Tierversuch aus Erlangen ist für den Negativpreis „Preis für den absurdesten Tierversuch 2026“ nominiert. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche führt den Fall als „Kandidat 4“. Grundlage ist eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2024. Die Abstimmung läuft vom 13. bis 24. April 2026.
In der Studie untersuchten Forschende 38 männliche Mongolische Wüstenrennmäuse. Ein Teil der Tiere wurde unter Narkose über längere Zeit sehr lauten Tönen ausgesetzt. Solche Versuchsaufbauten werden in der Forschung eingesetzt, um gezielt eine Hörschädigung auszulösen, die mit tinnitusähnlichen Veränderungen verbunden sein kann.
Ob die Tiere tatsächlich ein Ohrgeräusch wahrnehmen, lässt sich nicht direkt feststellen. Stattdessen greifen Forschende auf indirekte Verfahren zurück: Sie messen, wie die Tiere auf bestimmte Geräusche reagieren, und werten diese Reaktionen statistisch aus. Daraus wird abgeleitet, ob Hinweise auf Tinnitus vorliegen könnten.
Parallel dazu analysierte das Team das Gehirn der Tiere, insbesondere den auditorischen Kortex, der für die Verarbeitung von Hörreizen zuständig ist. Dabei zeigte sich: Tiere mit solchen indirekten Tinnitus-Hinweisen wiesen Veränderungen in diesem Bereich auf. Konkret wurde eine erhöhte Dichte bestimmter Strukturen im Zellumfeld festgestellt, der sogenannten extrazellulären Matrix.
Die Arbeit beschreibt damit einen möglichen Zusammenhang zwischen Lärmschädigung, veränderten Reaktionen auf Geräusche und strukturellen Veränderungen im Gehirn – innerhalb eines Tiermodells. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen. Eine Einordnung der bekannten Ursachen und Mechanismen beim Menschen bietet der Überblick zu Tinnitus.
Quellen: Ärzte gegen Tierversuche – Nominierung, Tinnitus-Studie mit Rennmäusen