Musik kann Schmerzen lindern – doch offenbar nicht nur, weil sie ablenkt. Ein neuer Socping Review lieft Ansätze für die Forschung von Musik und Tinnitus. Der Beitrag in „Pain Reports“ wertete 57 Studien zu den Wirkmechanismen musikbasierter Interventionen aus. Besonders häufig fanden sich Hinweise auf drei Faktoren:
- positive emotionale Valenz, also wie angenehm Musik erlebt wird,
- das Gefühl von Wahl und Kontrolle
- sowie die Synchronisation von Bewegung und Rhythmus.
Reine Ablenkung reicht nach Einschätzung der Autoren als Erklärung nicht aus.
Musik und Tinnitus – mehr als Ablenkung
Auch neuronale Mechanismen könnten eine Rolle spielen. Musik beeinflusste in einzelnen Studien sowohl frühe Prozesse der Schmerzverarbeitung als auch Netzwerke, die an emotionaler Bewertung und selbstbezogenen Gedanken beteiligt sind. Bei chronischen Schmerzen gibt es erste Hinweise auf Veränderungen im Default Mode Network.
Für die Tinnitusforschung ist das interessant. Es ist aber noch kein Nachweis der Wirksamkeit: Aufmerksamkeit, emotionale Bewertung und der Umgang mit einem dauerhaft wahrgenommenen Reiz spielen eine wichtige Rolle. Der Review zeigt Ansatzpunkte, die auch bei musikbasierten Tinnitus-Interventionen gezielt untersucht werden könnten.
Schon jetzt spielen Geräusche in der Tinnitus-Therapie eine Rolle.