Chronischer Tinnitus und psychische Belastungen stehen oft im Zusammenhang. Das zeigt eine Studie der Charité in Berlin mit 678 Tinnituspatientinnen und -patienten. Bei rund 96 Prozent ergab mindestens ein Hinweis auf psychische Auffälligkeiten. Besonders häufig waren das depressive Symptome, Angststörungen und weitere sogenannte internalisierende Beschwerden. Wichtig ist, dass es sich nicht um klinisch bestätigte psychiatrische Diagnosen handelt.
Ursache und Wirkung bleiben offen
Die Studie beschreibt Zusammenhänge, kann aber keine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Es lässt sich also weder sagen, dass Tinnitus psychische Erkrankungen verursacht, noch dass psychische Erkrankungen einen Tinnitus auslösen. Möglich ist auch, dass sich beide Faktoren gegenseitig verstärken. Dafür wären Langzeitstudien notwendig, sagen die Forscher.
Behandlung nicht auf Ohren beschränken
Besonders deutlich war der Zusammenhang zwischen Tinnitus und psychischen Belastungen aus Depression, Ängsten, Gesundheitsangst und weiteren internalisierenden Symptomen. Dies war unabhängig davon, ob die Menschen einen messbaren Hörverlust haben. Die Autoren sprechen sich deshalb für einen Behandlungsansatz aus, der nicht allein das Hörsystem und das Ohrgeräusch betrachtet, sondern auch die psychische und emotionale Situation der Betroffenen berücksichtigt.
Quelle: Boecking B., Steinmetzger K., Brueggemann P., Rose M., Mazurek B.: Transdiagnostic Dimensions of Psychopathology in Chronic Tinnitus Patients With and Without Hearing Loss. Scientific Reports, 2025. DOI: 10.1038/s41598-025-32526-5.