Autor: M.Rinke

  • „Meine Tinnitus App“ kann Tinnitus-Belastung reduzieren

    • App zeigte bei 35,4 % der Teilnehmenden eine geringere Tinnitus-Belastung
    • 43,8 % berichteten über Verbesserung des Schweregrads
    • nur unterstützend, nicht für alle Betroffenen

    Eine randomisierte Studie aus Deutschland zeigt, dass eine digitale Anwendung die Belastung durch Tinnitus bei einem Teil der Betroffenen verringern kann. Untersucht wurde die Nutzung der App „Meine Tinnitus App“ unter Alltagsbedingungen.

    An der Studie nahmen 204 Patientinnen und Patienten aus 33 HNO-Praxen teil. Über einen Zeitraum von zehn Wochen nutzten sie die Anwendung regelmäßig im Alltag. Ziel war es, zu untersuchen, ob sich nicht nur die Wahrnehmung der Ohrgeräusche, sondern auch der Umgang mit den Beschwerden verändert.

    Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Bei 35,4 % der Teilnehmenden nahm die subjektive Belastung durch den Tinnitus ab, während 43,8 % eine Verbesserung des Schweregrads angaben. Damit deutet die Studie darauf hin, dass die Anwendung für einen Teil der Betroffenen hilfreich sein kann – allerdings keineswegs für alle.

    Wichtig ist dabei die Einordnung der Ergebnisse. Die beobachteten Effekte sind moderat und beziehen sich vor allem auf den Umgang mit den Ohrgeräuschen im Alltag, nicht auf deren vollständiges Verschwinden. Zudem war die Studiendauer mit zehn Wochen vergleichsweise kurz, sodass sich keine Aussagen über langfristige Effekte treffen lassen.

    Die Anwendung richtet sich vor allem an Menschen mit bestehendem, eher chronischem Tinnitus, die ihre Beschwerden besser bewältigen möchten. Für Betroffene mit neu aufgetretenen Ohrgeräuschen – etwa nach starker Lärmbelastung – oder bei möglichen medizinischen Ursachen ersetzt die Nutzung einer App keine ärztliche Abklärung.

    Insgesamt zeigt die Studie, dass digitale Angebote eine unterstützende Rolle spielen können. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine medizinische Diagnose oder Behandlung, sondern können allenfalls eine Ergänzung darstellen.

    Quelle: Studie zu „Meine Tinnitus App“

  • Preis-Nominierung: Tierversuch zu Tinnitus bei Wüstenrennmäusen im Fokus

    Ein Tierversuch aus Erlangen ist für den Negativpreis „Preis für den absurdesten Tierversuch 2026“ nominiert. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche führt den Fall als „Kandidat 4“. Grundlage ist eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2024. Die Abstimmung läuft vom 13. bis 24. April 2026.

    In der Studie untersuchten Forschende 38 männliche Mongolische Wüstenrennmäuse. Ein Teil der Tiere wurde unter Narkose über längere Zeit sehr lauten Tönen ausgesetzt. Solche Versuchsaufbauten werden in der Forschung eingesetzt, um gezielt eine Hörschädigung auszulösen, die mit tinnitusähnlichen Veränderungen verbunden sein kann.

    Ob die Tiere tatsächlich ein Ohrgeräusch wahrnehmen, lässt sich nicht direkt feststellen. Stattdessen greifen Forschende auf indirekte Verfahren zurück: Sie messen, wie die Tiere auf bestimmte Geräusche reagieren, und werten diese Reaktionen statistisch aus. Daraus wird abgeleitet, ob Hinweise auf Tinnitus vorliegen könnten.

    Parallel dazu analysierte das Team das Gehirn der Tiere, insbesondere den auditorischen Kortex, der für die Verarbeitung von Hörreizen zuständig ist. Dabei zeigte sich: Tiere mit solchen indirekten Tinnitus-Hinweisen wiesen Veränderungen in diesem Bereich auf. Konkret wurde eine erhöhte Dichte bestimmter Strukturen im Zellumfeld festgestellt, der sogenannten extrazellulären Matrix.

    Die Arbeit beschreibt damit einen möglichen Zusammenhang zwischen Lärmschädigung, veränderten Reaktionen auf Geräusche und strukturellen Veränderungen im Gehirn – innerhalb eines Tiermodells. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen. Eine Einordnung der bekannten Ursachen und Mechanismen beim Menschen bietet der Überblick zu Tinnitus.

    Quellen: Ärzte gegen Tierversuche – Nominierung, Tinnitus-Studie mit Rennmäusen

  • Schmerzmittel können Tinnitus-Risiko erhöhen

    Frauen, die bestimmte Schmerztabletten einnehmen, haben laut einer Studie ein erhöhtes Risiko für Tinnitus. Eine regelmäßige Einnahme von „Paracetamol“ sowie sogenannter „Nicht-steroidale-Antirheumatika“, auch NSAIDs genannt, erhöht das Risiko eines lang anhaltenden Tinnitus. Vermutlich steigt das Risiko auch, je häufiger die Medikamente eingenommen werden.

    Frauen, die Aspirin einnahmen hatten kein erhöhtes Risiko. Jedoch wurde bei jüngeren Frauen beides in Verbindung gebracht. 

    An der amerikanischen Studie nahmen fast 70.000 Frauen im Alter von 31-48 Jahren teil. Zu Beginn war keine vom Tinnitus betroffen, während der Studie zeigten sich aber mehr als 10.000 Fälle. 

    Die Studie wurde unter dem Titel „Longitudinal Study of Analgesic Use and Risk of Incident Persistent Tinnitus“ in der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of General Internal Medicine veröffentlicht.

    Update 2026: Datenlage weiterhin uneindeutig

    Neuere Studien liefern keine eindeutigen Belege dafür, dass Paracetamol Tinnitus verursacht. Einzelne Untersuchungen zeigen zwar Zusammenhänge zwischen häufiger Schmerzmitteleinnahme und Hörproblemen, ein klarer kausaler Zusammenhang ist jedoch nicht belegt.Die Lancet Commission on hearing loss 2023 nennt Medikamente allgemein als mögliche Einflussfaktoren für Hörverlust und damit verbundene Ohrgeräusche, Paracetamol wird dort jedoch nicht als gesichert auslösender Faktor geführt. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Paracetamol und Tinnitus ist damit weiterhin nicht wissenschaftlich bewiesen.

  • Studie: Smartphone-Soundtherapie könnte Tinnitus beeinflussen

    • Smartphone-Soundtherapie zeigte bei einem Teil der Teilnehmenden eine verringerte subjektive Tinnitus-Lautstärke
    • Die Anwendung wurde täglich über mehrere Wochen genutzt, Langzeiteffekte sind unklar
    • Die Wirkung basiert vermutlich auf Veränderungen im Hörsystem, ist aber nicht direkt nachgewiesen

    Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Untersuchung der Newcastle University geht der Frage nach, ob gezielte Klangtherapie per Smartphone die Wahrnehmung von Tinnitus beeinflussen kann. Teilnehmende nutzten dafür über mehrere Wochen täglich eine speziell entwickelte Audio-Anwendung.

    Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die wahrgenommene Lautstärke der Ohrgeräusche bei einem Teil der Probanden verringerte. Dabei handelt es sich jedoch um subjektive Einschätzungen – objektive Messungen der Veränderung liegen nicht vor.

    Einordnung: Hinweise auf Wirkung – aber keine gesicherte Therapie

    Die Forschenden vermuten, dass bestimmte Klangmuster die neuronale Verarbeitung im Hörsystem beeinflussen könnten. Dieser Mechanismus ist jedoch nicht direkt nachgewiesen, sondern basiert auf bestehenden Modellen zur Entstehung von Tinnitus.

    Zudem bleibt unklar, wie nachhaltig die beobachteten Effekte sind. Die Studie lief über mehrere Wochen – Langzeitdaten fehlen. Auch ist nicht auszuschließen, dass Gewöhnungseffekte oder Placeboeinflüsse eine Rolle spielen.

    Für Betroffene bedeutet das: Die Ergebnisse liefern interessante Ansätze, ersetzen jedoch keine etablierten Therapieformen. Weitere unabhängige Studien mit größeren Teilnehmerzahlen sind notwendig, um die Wirksamkeit verlässlich zu beurteilen.

    Quelle: Universität Newcastle

  • Tinnitus nach Konzerten: Umfrage zeigt hohe Belastung im Musikumfeld

    Eine aktuelle Umfrage der British Tinnitus Association (BTA) zeigt, wie verbreitet Ohrgeräusche im Zusammenhang mit lauter Musik sind. 92 % der Befragten berichten, Erfahrungen mit Tinnitus nach Konzerten oder lauten Musikereignissen gemacht zu haben. Die Erfahrung von einem Tinnitus nach Konzerten ist wissenschaftlich belegt und kann gefährlich sein.

    Band auf der Bühne, davor das Publikum
    Tinnitus nach Konzert: Besucher berichten über Erfahrungen

    Hohe Werte bei Live-Musikern

    Besonders auffällig: 59 % der Live-Musiker geben an, unter dauerhaftem Tinnitus zu leiden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Lärmbelastung als Risikofaktor – insbesondere bei regelmäßiger Exposition.

    Zusammenhang wissenschaftlich belegt

    Dass Lärm Tinnitus auslösen kann, ist gut belegt. Die World Health Organization weist darauf hin, dass wiederholte oder starke Schalleinwirkung das Innenohr schädigen und langfristig zu Hörverlust sowie Tinnitus führen kann. Die Umfrage liefert dazu passende Erfahrungswerte aus dem Musik- und Konzertumfeld. Allerdings handelt es sich um eine nicht repräsentative Erhebung, und „Tinnitus-Erfahrung“ umfasst auch vorübergehende Symptome.

    Quelle:
    British Tinnitus Association – Musik-Umfrage

  • Kühlung des Innenohrs bei Tinnitus – Studie untersucht Machbarkeit

    Eine aktuelle Studie untersucht einen neuen Ansatz in der Tinnitus-Forschung: die gezielte Kühlung des Innenohrs. Dabei steht nicht eine sofortige Therapie im Fokus, sondern die Frage, ob sich die Temperatur im Innenohr von außen überhaupt ausreichend und kontrolliert senken lässt.

    Machbarkeit statt Wirksamkeitsnachweis

    In der Fachzeitschrift Otology & Neurotology veröffentlichte Forschende eine experimentelle Arbeit, in der ein nichtinvasives Kühlsystem an einem menschlichen Kadavermodell getestet wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Temperatur im Innenohr innerhalb von 30 bis 60 Minuten um mehrere Grad Celsius abgesenkt werden kann. Damit wurde erstmals belegt, dass eine gezielte, lokale Kühlung technisch möglich ist.

    Ob dieser Ansatz auch eine tatsächliche Linderung von Tinnitus-Beschwerden bewirken kann, ist derzeit noch unklar. Die Studie selbst liefert keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis bei Patienten. Eine entsprechende klinische Studie ist zwar bereits registriert, Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor. Für Betroffene bedeutet das: Der Ansatz ist wissenschaftlich interessant, befindet sich aber noch in einem frühen Forschungsstadium, es ist noch kein neuer Behandlungsansatz.

    Quelle: PubMed – Noninvasive Targeted Temperature Management of the Inner Ear

  • Ginkgo: bei Tinnitus nicht besser als ein Placebo

    Ginkgo wird häufig in der Behandlung eines Tinnitus eingesetzt. Es gibt zahlreiche Präparate auf dem Markt, die zum Beispiel als Kapsel oder Tabletten in Apotheken oder Drogerien verkauft werden. Ginkgo kann vom Arzt zur Therapie einer Alzheimer Demenz in einer Tagesdosis von 240 mg. verschrieben werden.

    „Geringfügige bis keine Wirkung“

    In einem Cochrane Review aus dem November 2022 heißt es, die Einnahme von Ginkgo biloba habe möglicherweise im Vergleich zu einem Placebo lediglich eine geringfügige bis keine Wirkung. In der Arbeit wurden zwei Studien ausgewertet, wobei insgesamt zwölf untersucht wurden. Ziel war es, herauszufinden, ob Ginkgo Tinnitus verringert oder sogar schädliche Nebenwirkungen hat.

    Trotzdem finden sich auf Internet-Seiten zahlreiche Ginkgo-Präparate, die zur Behandlung eines Tinnitus angeboten werden. Dabei wird in einigen Fällen sogar auf das Cochrane-Review verwiesen:

    • Die Datenlage sei unzureichend, deshalb werde keine Empfehlung ausgesprochen.
    • Bei der Einnahme von Ginkgo-Präparaten gebe es genausowenig Nebenwirkungen, wie bei der Einnahme von Placebos.

    Häufig ist auch der Hinweis zu finden, dass bei Tinnitus Ginkgo biloba sehr oft zur unterstützenden Behandlung eingesetzt wird. Diese Aussage gibt aber keinen Aufschluss über die Wirksamkeit. Tatsächlich gibt es sehr unterschiedliche Therapien, um einen Tinnitus zu heilen oder zu lindern.

  • Tinnitus: Erfahrungen von Long-Covid Patienten

    Long-Covid Patienten berichten häufig über Tinnitus, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Für eine Studie wurden 1082 Patienten online befragt. 30 Prozent der Patienten sagten, einen Tinnitus zu haben, 60 Prozent litten Schwindel.

    Long-Covid Patienten: mittlerer Schweregrad des Tinnitus

    Auf einer Skala von eins bis zehn berichteten die Patienten über einen Schweregrad von 4,8, bei einer Schwankung von drei. Ein fünftel der Betroffenen berichtete über starke Beschwerden.

    Die Urheber der Studie kommen zu dem Schluss, dass Schwindel und Benommenheit häufige Symptome von Long-Covid-Patienten sind. Auch vor dem Hintergrund, dass die Patienten über schwere Beschwerden klagen, sei es notwendig die Symptome anzugehen. „Wir schlagen einen multidisziplinären diagnostischen und therapeutischen Ansatz vor“, so die Autoren.

    Großer Teil der Patienten nicht vollständig geimpft

    Jeder zehnte Teilnehmer musste während der Infektion im Krankenhaus behandelt werden, jeder 40. intensivmedizinisch. Vier von fünf Teilnehmern waren zum Zeitpunkt der Infektion nicht oder nicht vollständig geimpft. Gut 70 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Erhebung erfolgte durchschnittlich zehn Monate nach dem ersten Auftreten der Symptome.

    Grundsätzlich ist der Zusammenhang zwischen Tinnitus aurium und Corona noch nicht hinreichend erforscht.


    Hinweis: Sollten sie unter einem Tinnitus oder anderen Beschwerden nach einer Corona-Infektion leiden, suchen sie einen Arzt auf.

  • Tinnitus: Stress durch Ohrgeräusche

    Tinnitus verursacht bei vielen Patienten Stress. Das wurde in einer Studie aus dem Jahr 2018 nachgewiesen. Von 180 Menschen hatten fast zwei Drittel (117) Stresssymptome. 52 Patienten befanden sich in der Widerstands- und Handlungsphase. Das heißt, der Körper stellt sich darauf ein nicht nur, wie in der Alarmpahse, kurzfristig auf den Stress zu reagieren, sondern setzt Zucker- und Fettsäuren frei. Der Körper ist bemüht, den hohen Energiebedarf der erste Reaktionen zu kompensieren und die Reaktionen abzuschwächen. 23 Testpersonen befanden sich bereits in der Erschöpfungsphase.

    Die Urheber der Studie kommen zu dem Schluss, dass Stresssymptome bei den meisten Patienten mit der subjektiven Tinnitus beobachtet wurde. Dies betrifft vor allem Menschen, die sch und der Widerstands- und Handlungsphase sowie in der Erschöpfungsphase befinden. Es gibt einen eindeutigen Bezug zur Belästigung durch den Tinnitus.

    Stress ist nur einer von mehreren möglichen Einflüssen, die ein Tinnitus auf die Psyche hat. Andererseits gilt Stress auch als eine Ursache für einen Tinnitus.