- Die CORTEBO-Studie untersucht, ob die übliche Kortisontherapie bei einem erstmaligen einseitigen Hörsturz wirksamer ist als ein Placebo.
- Neben der Hörverbesserung werden Sprachverständnis, Lebensqualität und unerwünschte Wirkungen erfasst.
- Tinnitus ist eine häufige Begleiterscheinung des Hörsturzes; die Deutsche Tinnitus-Liga begleitet die Studie aus Patientensicht.
Kortison gilt seit Jahrzehnten als Standardtherapie beim Hörsturz. Ob die Behandlung den plötzlich auftretenden Hörverlust tatsächlich verbessert, ist jedoch nicht eindeutig belegt. Die Universitätsmedizin Halle will diese Frage nun gemeinsam mit dem Deutschen Studienzentrum für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in der bundesweiten CORTEBO-Studie klären.
Ein Hörsturz entwickelt sich innerhalb von höchstens 72 Stunden, betrifft meist ein Ohr und kann von Tinnitus oder Schwindel begleitet werden. Gerade ein neu auftretendes Ohrgeräusch kann die Belastung der Betroffenen zusätzlich erhöhen. Insgesamt sollen 218 Erwachsene zwischen 18 und 80 Jahren zehn Tage lang entweder Prednisolon oder ein Placebo erhalten. Einen Monat nach Beginn wird geprüft, wie sich der Hörverlust in den besonders betroffenen Frequenzen verändert hat. Zusätzlich untersuchen die Forschenden das Sprachverständnis, die Lebensqualität und mögliche Nebenwirkungen. Die Nachbeobachtung dauert weitere fünf Monate. Die dreifach verblindete Studie soll voraussichtlich Anfang 2027 starten.
Hochdosiertes Kortison bei Hörsturz umstritten
Grundlage ist unter anderem die vorherige HODOKORT-Studie. Sie hatte gezeigt, dass hoch dosierte Glukokortikoide keine besseren Ergebnisse erzielten als die übliche Tablettentherapie, aber häufiger Nebenwirkungen verursachten. CORTEBO soll nun klären, ob auch die bisherige Standarddosierung einen nachweisbaren Nutzen hat. Die Deutsche Tinnitus-Liga war an der Benennung des Forschungsbedarfs beteiligt und unterstützt die Information der Betroffenen sowie die spätere Verbreitung der Ergebnisse. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt bis Anfang 2031 mit mehr als zwei Millionen Euro.
Quelle: Universitätsmedizin Halle