Kategorie: Ursachen & Risiko

Was hier untersucht wird – und was das bedeutet

Diese Kategorie bündelt aktuelle Entwicklungen rund um Tinnitus – von wissenschaftlichen Studien bis hin zu neuen technischen Ansätzen.

Im Fokus stehen dabei konkrete Forschungsergebnisse, klinische Studien und neue Verfahren, die in der Wissenschaft oder im Gesundheitsmarkt untersucht werden. Ziel ist es, diese Inhalte verständlich einzuordnen: Was wurde tatsächlich untersucht? Wie belastbar sind die Ergebnisse? Und welche Bedeutung haben sie für Betroffene?

Einordnung statt Erwartung – wie belastbar sind neue Ansätze?

Viele dieser Entwicklungen befinden sich noch im experimentellen oder frühen Stadium. Entsprechend wichtig ist die Unterscheidung zwischen Forschung, ersten Studienergebnissen und bereits etablierten Verfahren.

Diese Beiträge helfen dabei, neue Meldungen besser einzuordnen – ohne falsche Erwartungen zu erzeugen.

Diese Kategorie bündelt aktuelle Entwicklungen rund um Tinnitus – von wissenschaftlichen Studien bis hin zu neuen technischen Ansätzen.

Im Fokus stehen dabei konkrete Forschungsergebnisse, klinische Studien und neue Verfahren, die in der Wissenschaft oder im Gesundheitsmarkt untersucht werden. Ziel ist es, diese Inhalte verständlich einzuordnen: Was wurde tatsächlich untersucht? Wie belastbar sind die Ergebnisse? Und welche Bedeutung haben sie für Betroffene?

Viele dieser Entwicklungen befinden sich noch im experimentellen oder frühen Stadium. Entsprechend wichtig ist die Unterscheidung zwischen Forschung, ersten Studienergebnissen und bereits etablierten Verfahren.

Diese Beiträge helfen dabei, neue Meldungen besser einzuordnen – ohne falsche Erwartungen zu erzeugen.

  • Tinnitus: Bauchumfang könnte laut Studie das Risiko erhöhen

    • In einer Mendelschen Randomisierungsstudie zeigte sich ein kausaler Zusammenhang zwischen einem größeren Taillenumfang und einem erhöhten Tinnitus-Risiko.
    • Andere untersuchte Faktoren wie Rauchen, Blutzucker oder Insulin zeigten in den beiden Biobank-Kohorten keine konsistenten Ergebnisse.
    • Die Autoren sehen abdominale Adipositas als potenziell beeinflussbaren Ansatzpunkt für die Prävention von Tinnitus, betonen jedoch den Bedarf an weiterer Forschung.

    Ein größerer Taillenumfang könnte das Risiko für Tinnitus erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Mendelsche Randomisierungsstudie, in der genetische Daten aus der UK Biobank und der FinnGen-Biobank ausgewertet wurden. Nach der gemeinsamen Meta-Analyse blieb ausschließlich der Taillenumfang signifikant mit einem erhöhten Tinnitus-Risiko assoziiert. Andere zunächst auffällige Faktoren wie Rauchen, Nüchternblutzucker oder Nüchterninsulin konnten über beide Datensätze hinweg nicht konsistent bestätigt werden. Die Autoren sehen den Taillenumfang als potenziell veränderbaren Risikofaktor für die Prävention von Tinnitus. Zugleich weisen sie auf Einschränkungen der Studie hin, darunter unterschiedliche Definitionen von Tinnitus in den Datensätzen und die Notwendigkeit weiterer experimenteller und klinischer Untersuchungen zur Bestätigung der Ergebnisse.

    Für Betroffene heißt das zunächst für den Tinnitus: Bauchumfang ist möglicherweise einer von vielen noch nicht abschließend geklärten Risikofaktoren. Ein dicker Bauch führt nicht automatisch zu Tinnitus. Und ein bestehender Tinnitus verschwindet nicht allein dadurch, dass man abnimmt.

    Quelle: Zheng K, Zheng Y, Lei Y, Lin J. Modifiable risk factors for tinnitus: A Mendelian randomization study

  • Erhöhtes Suizidrisiko bei Tinnitus-Betroffenen

    • Rund 19,5 % der Menschen mit Tinnitus berichten Suizidgedanken (Kontrollen: 9,9 %).
    • Suizidversuche treten mit 1,9 % etwa doppelt so häufig auf wie bei Nicht-Betroffenen.
    • Auch Depressionen sind bei Tinnitus deutlich häufiger (14,5 % vs. 7,2 %).

    Menschen mit Tinnitus sind offenbar deutlich häufiger von Suizidgedanken und -versuchen betroffen als Personen ohne diese Erkrankung. Das zeigt eine Metaanalyse von neun Studien mit insgesamt mehr als 900.000 Teilnehmenden. Demnach berichteten 19,5 % der Betroffenen über Suizidgedanken, während es in den Kontrollgruppen 9,9 % waren. Auch bei den Suizidversuchen zeigte sich ein Unterschied: 1,9 % der Tinnitus-Patienten hatten einen Versuch unternommen, verglichen mit 0,9 % der Vergleichsgruppen. Zudem trat eine Depression bei 14,5 % der Betroffenen auf und damit mehr als doppelt so häufig wie bei Nicht-Betroffenen.

    Eingeschränkte Aussagekraft und Übertragbarkeit der Studiendaten

    Allerdings weisen die Autoren auf Limitationen hin. Ein Großteil der Daten stammt aus Taiwan und Südkorea, Ländern mit insgesamt höheren Suizidraten als im globalen Durchschnitt. Zudem könnte eine Verzerrung vorliegen, da möglicherweise vor allem stark belastete Personen an den Studien teilnahmen. Die Ergebnisse unterstreichen dennoch die klinische Relevanz: Bei Tinnitus sollte verstärkt auf psychische Begleiterscheinungen geachtet werden.

    Quelle: Springer Nature

    Wenn Sie einen Tinnitus und/oder psychische Probleme haben, suchen Sie sich schnell Hilfe. Auch die Telefonseelsorge ist immer für Sei erreichbar.
    Tel.: 0800 111 0 111 (Internet)

  • Schmerzmittel können Tinnitus-Risiko erhöhen

    Frauen, die bestimmte Schmerztabletten einnehmen, haben laut einer Studie ein erhöhtes Risiko für Tinnitus. Eine regelmäßige Einnahme von „Paracetamol“ sowie sogenannter „Nicht-steroidale-Antirheumatika“, auch NSAIDs genannt, erhöht das Risiko eines lang anhaltenden Tinnitus. Vermutlich steigt das Risiko auch, je häufiger die Medikamente eingenommen werden.

    Frauen, die Aspirin einnahmen hatten kein erhöhtes Risiko. Jedoch wurde bei jüngeren Frauen beides in Verbindung gebracht. 

    An der amerikanischen Studie nahmen fast 70.000 Frauen im Alter von 31-48 Jahren teil. Zu Beginn war keine vom Tinnitus betroffen, während der Studie zeigten sich aber mehr als 10.000 Fälle. 

    Die Studie wurde unter dem Titel „Longitudinal Study of Analgesic Use and Risk of Incident Persistent Tinnitus“ in der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of General Internal Medicine veröffentlicht.

    Update 2026: Datenlage weiterhin uneindeutig

    Neuere Studien liefern keine eindeutigen Belege dafür, dass Paracetamol Tinnitus verursacht. Einzelne Untersuchungen zeigen zwar Zusammenhänge zwischen häufiger Schmerzmitteleinnahme und Hörproblemen, ein klarer kausaler Zusammenhang ist jedoch nicht belegt.Die Lancet Commission on hearing loss 2023 nennt Medikamente allgemein als mögliche Einflussfaktoren für Hörverlust und damit verbundene Ohrgeräusche, Paracetamol wird dort jedoch nicht als gesichert auslösender Faktor geführt. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Paracetamol und Tinnitus ist damit weiterhin nicht wissenschaftlich bewiesen.

  • Tinnitus nach Konzerten: Umfrage zeigt hohe Belastung im Musikumfeld

    Eine aktuelle Umfrage der British Tinnitus Association (BTA) zeigt, wie verbreitet Ohrgeräusche im Zusammenhang mit lauter Musik sind. 92 % der Befragten berichten, Erfahrungen mit Tinnitus nach Konzerten oder lauten Musikereignissen gemacht zu haben. Die Erfahrung von einem Tinnitus nach Konzerten ist wissenschaftlich belegt und kann gefährlich sein.

    Band auf der Bühne, davor das Publikum
    Tinnitus nach Konzert: Besucher berichten über Erfahrungen

    Hohe Werte bei Live-Musikern

    Besonders auffällig: 59 % der Live-Musiker geben an, unter dauerhaftem Tinnitus zu leiden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Lärmbelastung als Risikofaktor – insbesondere bei regelmäßiger Exposition.

    Zusammenhang wissenschaftlich belegt

    Dass Lärm Tinnitus auslösen kann, ist gut belegt. Die World Health Organization weist darauf hin, dass wiederholte oder starke Schalleinwirkung das Innenohr schädigen und langfristig zu Hörverlust sowie Tinnitus führen kann. Die Umfrage liefert dazu passende Erfahrungswerte aus dem Musik- und Konzertumfeld. Allerdings handelt es sich um eine nicht repräsentative Erhebung, und „Tinnitus-Erfahrung“ umfasst auch vorübergehende Symptome.

    Quelle:
    British Tinnitus Association – Musik-Umfrage

  • Tinnitus: Erfahrungen von Long-Covid Patienten

    Long-Covid Patienten berichten häufig über Tinnitus, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Für eine Studie wurden 1082 Patienten online befragt. 30 Prozent der Patienten sagten, einen Tinnitus zu haben, 60 Prozent litten Schwindel.

    Long-Covid Patienten: mittlerer Schweregrad des Tinnitus

    Auf einer Skala von eins bis zehn berichteten die Patienten über einen Schweregrad von 4,8, bei einer Schwankung von drei. Ein fünftel der Betroffenen berichtete über starke Beschwerden.

    Die Urheber der Studie kommen zu dem Schluss, dass Schwindel und Benommenheit häufige Symptome von Long-Covid-Patienten sind. Auch vor dem Hintergrund, dass die Patienten über schwere Beschwerden klagen, sei es notwendig die Symptome anzugehen. „Wir schlagen einen multidisziplinären diagnostischen und therapeutischen Ansatz vor“, so die Autoren.

    Großer Teil der Patienten nicht vollständig geimpft

    Jeder zehnte Teilnehmer musste während der Infektion im Krankenhaus behandelt werden, jeder 40. intensivmedizinisch. Vier von fünf Teilnehmern waren zum Zeitpunkt der Infektion nicht oder nicht vollständig geimpft. Gut 70 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Erhebung erfolgte durchschnittlich zehn Monate nach dem ersten Auftreten der Symptome.

    Grundsätzlich ist der Zusammenhang zwischen Tinnitus aurium und Corona noch nicht hinreichend erforscht.


    Hinweis: Sollten sie unter einem Tinnitus oder anderen Beschwerden nach einer Corona-Infektion leiden, suchen sie einen Arzt auf.