Schlagwort: Studie

  • Kombinationstherapien bei Tinnitus zeigen uneinheitliche Ergebnisse

    Eine im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie untersucht, ob sich durch die Kombination verschiedener Therapieansätze bei Tinnitus zusätzliche Effekte erzielen lassen. Analysiert wurden mehrere Verfahren, die entweder parallel oder nacheinander angewendet wurden. Beteiligt waren internationale Forschungseinrichtungen, die unterschiedliche Behandlungsstrategien systematisch verglichen haben.

    Die Auswertung zeigt, dass sich die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen in einzelnen Gruppen verändert hat. Ein konsistenter Vorteil gegenüber Einzeltherapien ließ sich jedoch nicht nachweisen. Unterschiede ergaben sich vor allem zwischen den untersuchten Ansätzen und den jeweiligen Patientengruppen. Teilweise traten Effekte nur unter spezifischen Bedingungen auf.

    Offen bleibt, ob bestimmte Kombinationen gezielt für definierte Patientengruppen geeignet sind und unter welchen Voraussetzungen sich die beobachteten Effekte reproduzieren lassen.

    Quelle: https://www.nature.com/articles/s41467-025-66165-1

  • Implantat-Ansatz wird in klinischer Studie untersucht

    Im Studienregister von ClinicalTrials.gov ist eine klinische Studie zu einem Implantat-System bei Tinnitus dokumentiert. Der Ansatz kombiniert akustische Reize mit elektrischer Stimulation, die über eine implantierte oder gekoppelte Komponente abgegeben wird. Ziel ist es, die Verarbeitung von Ohrgeräuschen im Nervensystem gezielt zu beeinflussen.

    Der Studienansatz gehört zu einer Gruppe von Verfahren, die auf neuromodulatorischen Konzepten basieren. Dabei wird versucht, neuronale Aktivität so zu verändern, dass sich die Wahrnehmung von Tinnitus reduziert oder verändert. Grundlage sind frühere experimentelle Untersuchungen zu solchen Effekten.

    Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Unklar ist, ob sich die Annahmen aus Voruntersuchungen bestätigen und ob sich daraus ein praktisch nutzbares Verfahren entwickeln lässt.

    Quelle: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06641999

  • Preis-Nominierung: Tierversuch zu Tinnitus bei Wüstenrennmäusen im Fokus

    Ein Tierversuch aus Erlangen ist für den Negativpreis „Preis für den absurdesten Tierversuch 2026“ nominiert. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche führt den Fall als „Kandidat 4“. Grundlage ist eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2024. Die Abstimmung läuft vom 13. bis 24. April 2026.

    In der Studie untersuchten Forschende 38 männliche Mongolische Wüstenrennmäuse. Ein Teil der Tiere wurde unter Narkose über längere Zeit sehr lauten Tönen ausgesetzt. Solche Versuchsaufbauten werden in der Forschung eingesetzt, um gezielt eine Hörschädigung auszulösen, die mit tinnitusähnlichen Veränderungen verbunden sein kann.

    Ob die Tiere tatsächlich ein Ohrgeräusch wahrnehmen, lässt sich nicht direkt feststellen. Stattdessen greifen Forschende auf indirekte Verfahren zurück: Sie messen, wie die Tiere auf bestimmte Geräusche reagieren, und werten diese Reaktionen statistisch aus. Daraus wird abgeleitet, ob Hinweise auf Tinnitus vorliegen könnten.

    Parallel dazu analysierte das Team das Gehirn der Tiere, insbesondere den auditorischen Kortex, der für die Verarbeitung von Hörreizen zuständig ist. Dabei zeigte sich: Tiere mit solchen indirekten Tinnitus-Hinweisen wiesen Veränderungen in diesem Bereich auf. Konkret wurde eine erhöhte Dichte bestimmter Strukturen im Zellumfeld festgestellt, der sogenannten extrazellulären Matrix.

    Die Arbeit beschreibt damit einen möglichen Zusammenhang zwischen Lärmschädigung, veränderten Reaktionen auf Geräusche und strukturellen Veränderungen im Gehirn – innerhalb eines Tiermodells. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen. Eine Einordnung der bekannten Ursachen und Mechanismen beim Menschen bietet der Überblick zu Tinnitus.


    Bekanntgabe des „Gewinners“

    Bei der Abstimmung kam der Versuch mit den Rennmäusen auf Platz fünf. Er erhielt 293 von 4090 Stimmen, teilt der Verein auf der Homepage mit.

    Sieger mit rund der Hälfte der Stimmen ist ein Projekt der Ruhruniversität Bochum. Die Forscher hatten Mäusen Verbrennungen am Ohr zugefügt und Hinterbeine abgeschnürt. So wollten sie den Einfluss auf die Wundheilung untersuchen, so der Ärzte gegen Tierversuche e.V..

    Quellen: Ärzte gegen Tierversuche – Nominierung, Tinnitus-Studie mit Rennmäusen

    (Dieser Beitrag ist ursprünglich am 14.04.26 erschienen. Die Aktualisierung ist vom 22.05.2026.)

  • Forschungsprojekt untersucht personalisierte Hirnstimulation

    Die RNID fördert ein Forschungsprojekt zur personalisierten Hirnstimulation bei Tinnitus. Das Projekt wird von einem Team der University of Antwerp durchgeführt und untersucht, wie sich neuronale Aktivität gezielt beeinflussen lässt.

    Der Ansatz gehört zu einer Forschungsrichtung, die direkt im Gehirn ansetzt und individuelle Unterschiede in der Verarbeitung von Geräuschen berücksichtigt. Ziel ist es, Mechanismen besser zu verstehen, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Tinnitus eine Rolle spielen.

    Ergebnisse aus dem Projekt liegen bislang nicht vor. Unklar ist, ob sich aus den Untersuchungen ein konkreter Therapieansatz entwickeln lässt.

    Quelle: https://rnid.org.uk/hearing-research/silencing-tinnitus/a-personalised-brain-stimulation-treatment-for-tinnitus/

  • Ginkgo-biloba-Extrakt zeigt Effekte bei chronischem Tinnitus

    • Nach 24 Wochen verbesserten sich tinnitusbezogene Beschwerden signifikant.
    • Besonders profitierten Patienten mit Angst, Stress oder normalem Hörvermögen.
    • Die Ansprechrate lag bei 18,8 %.

    Eine explorative Studie untersuchte den Einsatz des Ginkgo-biloba-Extrakts EGb 761® bei chronischem Tinnitus. 170 Patienten erhielten über 24 Wochen zweimal täglich 120 mg. In dieser offenen, unkontrollierten Untersuchung verbesserten sich alle erfassten tinnitusbezogenen Parameter signifikant. Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass insbesondere Patienten mit erhöhter Angst oder Stress sowie solche mit normalem Hörvermögen stärker profitierten, während Depression keinen Einfluss zeigte. Die Gesamtansprechrate lag bei 18,8 %. Aufgrund des Studiendesigns sind die Ergebnisse jedoch eingeschränkt interpretierbar.

    Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass Ginkgo biloba im Vergleich zu Placebo möglicherweise keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Schwere der Tinnitus-Symptome hat. Die Behandlung mit Ginkgo-bilboa-Extrakt ist eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten.

    Quelle: National Library of Medicine

    Auf dem DGHNO-Kongress in Ulm ist das Unternehmen mit einem großen Stand vertreten und präsentiert dort auch die Verarbeitung der Pflanze.

  • „Meine Tinnitus App“ kann Tinnitus-Belastung reduzieren

    • App zeigte bei 35,4 % der Teilnehmenden eine geringere Tinnitus-Belastung
    • 43,8 % berichteten über Verbesserung des Schweregrads
    • nur unterstützend, nicht für alle Betroffenen

    Eine randomisierte Studie aus Deutschland zeigt, dass eine digitale Anwendung die Belastung durch Tinnitus bei einem Teil der Betroffenen verringern kann. Untersucht wurde die Nutzung der App „Meine Tinnitus App“ unter Alltagsbedingungen.

    An der Studie nahmen 204 Patientinnen und Patienten aus 33 HNO-Praxen teil. Über einen Zeitraum von zehn Wochen nutzten sie die Anwendung regelmäßig im Alltag. Ziel war es, zu untersuchen, ob sich nicht nur die Wahrnehmung der Ohrgeräusche, sondern auch der Umgang mit den Beschwerden verändert.

    Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Bei 35,4 % der Teilnehmenden nahm die subjektive Belastung durch den Tinnitus ab, während 43,8 % eine Verbesserung des Schweregrads angaben. Damit deutet die Studie darauf hin, dass die Anwendung für einen Teil der Betroffenen hilfreich sein kann – allerdings keineswegs für alle.

    Wichtig ist dabei die Einordnung der Ergebnisse. Die beobachteten Effekte sind moderat und beziehen sich vor allem auf den Umgang mit den Ohrgeräuschen im Alltag, nicht auf deren vollständiges Verschwinden. Zudem war die Studiendauer mit zehn Wochen vergleichsweise kurz, sodass sich keine Aussagen über langfristige Effekte treffen lassen.

    Die Anwendung richtet sich vor allem an Menschen mit bestehendem, eher chronischem Tinnitus, die ihre Beschwerden besser bewältigen möchten. Für Betroffene mit neu aufgetretenen Ohrgeräuschen – etwa nach starker Lärmbelastung – oder bei möglichen medizinischen Ursachen ersetzt die Nutzung einer App keine ärztliche Abklärung.

    Insgesamt zeigt die Studie, dass digitale Angebote eine unterstützende Rolle spielen können. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine medizinische Diagnose oder Behandlung, sondern können allenfalls eine Ergänzung darstellen.

    Quelle: Studie zu „Meine Tinnitus App“

  • Studie: Smartphone-Soundtherapie könnte Tinnitus beeinflussen

    • Smartphone-Soundtherapie zeigte bei einem Teil der Teilnehmenden eine verringerte subjektive Tinnitus-Lautstärke
    • Die Anwendung wurde täglich über mehrere Wochen genutzt, Langzeiteffekte sind unklar
    • Die Wirkung basiert vermutlich auf Veränderungen im Hörsystem, ist aber nicht direkt nachgewiesen

    Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Untersuchung der Newcastle University geht der Frage nach, ob gezielte Klangtherapie per Smartphone die Wahrnehmung von Tinnitus beeinflussen kann. Teilnehmende nutzten dafür über mehrere Wochen täglich eine speziell entwickelte Audio-Anwendung.

    Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die wahrgenommene Lautstärke der Ohrgeräusche bei einem Teil der Probanden verringerte. Dabei handelt es sich jedoch um subjektive Einschätzungen – objektive Messungen der Veränderung liegen nicht vor.

    Einordnung: Hinweise auf Wirkung – aber keine gesicherte Therapie

    Die Forschenden vermuten, dass bestimmte Klangmuster die neuronale Verarbeitung im Hörsystem beeinflussen könnten. Dieser Mechanismus ist jedoch nicht direkt nachgewiesen, sondern basiert auf bestehenden Modellen zur Entstehung von Tinnitus.

    Zudem bleibt unklar, wie nachhaltig die beobachteten Effekte sind. Die Studie lief über mehrere Wochen – Langzeitdaten fehlen. Auch ist nicht auszuschließen, dass Gewöhnungseffekte oder Placeboeinflüsse eine Rolle spielen.

    Für Betroffene bedeutet das: Die Ergebnisse liefern interessante Ansätze, ersetzen jedoch keine etablierten Therapieformen. Weitere unabhängige Studien mit größeren Teilnehmerzahlen sind notwendig, um die Wirksamkeit verlässlich zu beurteilen.

    Quelle: Universität Newcastle

  • Kühlung des Innenohrs bei Tinnitus – Studie untersucht Machbarkeit

    Eine aktuelle Studie untersucht einen neuen Ansatz in der Tinnitus-Forschung: die gezielte Kühlung des Innenohrs. Dabei steht nicht eine sofortige Therapie im Fokus, sondern die Frage, ob sich die Temperatur im Innenohr von außen überhaupt ausreichend und kontrolliert senken lässt.

    Machbarkeit statt Wirksamkeitsnachweis

    In der Fachzeitschrift Otology & Neurotology veröffentlichte Forschende eine experimentelle Arbeit, in der ein nichtinvasives Kühlsystem an einem menschlichen Kadavermodell getestet wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Temperatur im Innenohr innerhalb von 30 bis 60 Minuten um mehrere Grad Celsius abgesenkt werden kann. Damit wurde erstmals belegt, dass eine gezielte, lokale Kühlung technisch möglich ist.

    Ob dieser Ansatz auch eine tatsächliche Linderung von Tinnitus-Beschwerden bewirken kann, ist derzeit noch unklar. Die Studie selbst liefert keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis bei Patienten. Eine entsprechende klinische Studie ist zwar bereits registriert, Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor. Für Betroffene bedeutet das: Der Ansatz ist wissenschaftlich interessant, befindet sich aber noch in einem frühen Forschungsstadium, es ist noch kein neuer Behandlungsansatz.

    Quelle: PubMed – Noninvasive Targeted Temperature Management of the Inner Ear

  • Ginkgo: bei Tinnitus nicht besser als ein Placebo

    Ginkgo wird häufig in der Behandlung eines Tinnitus eingesetzt. Es gibt zahlreiche Präparate auf dem Markt, die zum Beispiel als Kapsel oder Tabletten in Apotheken oder Drogerien verkauft werden. Ginkgo kann vom Arzt zur Therapie einer Alzheimer Demenz in einer Tagesdosis von 240 mg. verschrieben werden.

    „Geringfügige bis keine Wirkung“

    In einem Cochrane Review aus dem November 2022 heißt es, die Einnahme von Ginkgo biloba habe möglicherweise im Vergleich zu einem Placebo lediglich eine geringfügige bis keine Wirkung. In der Arbeit wurden zwei Studien ausgewertet, wobei insgesamt zwölf untersucht wurden. Ziel war es, herauszufinden, ob Ginkgo Tinnitus verringert oder sogar schädliche Nebenwirkungen hat.

    Trotzdem finden sich auf Internet-Seiten zahlreiche Ginkgo-Präparate, die zur Behandlung eines Tinnitus angeboten werden. Dabei wird in einigen Fällen sogar auf das Cochrane-Review verwiesen:

    • Die Datenlage sei unzureichend, deshalb werde keine Empfehlung ausgesprochen.
    • Bei der Einnahme von Ginkgo-Präparaten gebe es genausowenig Nebenwirkungen, wie bei der Einnahme von Placebos.

    Häufig ist auch der Hinweis zu finden, dass bei Tinnitus Ginkgo biloba sehr oft zur unterstützenden Behandlung eingesetzt wird. Diese Aussage gibt aber keinen Aufschluss über die Wirksamkeit. Tatsächlich gibt es sehr unterschiedliche Therapien, um einen Tinnitus zu heilen oder zu lindern.

    Quelle: Ginkgo biloba for tinnitus: National Library of Medicine

  • Tinnitus: Stress durch Ohrgeräusche

    Tinnitus verursacht bei vielen Patienten Stress. Das wurde in einer Studie aus dem Jahr 2018 nachgewiesen. Von 180 Menschen hatten fast zwei Drittel (117) Stresssymptome. 52 Patienten befanden sich in der Widerstands- und Handlungsphase. Das heißt, der Körper stellt sich darauf ein nicht nur, wie in der Alarmpahse, kurzfristig auf den Stress zu reagieren, sondern setzt Zucker- und Fettsäuren frei. Der Körper ist bemüht, den hohen Energiebedarf der erste Reaktionen zu kompensieren und die Reaktionen abzuschwächen. 23 Testpersonen befanden sich bereits in der Erschöpfungsphase.

    Die Urheber der Studie kommen zu dem Schluss, dass Stresssymptome bei den meisten Patienten mit der subjektiven Tinnitus beobachtet wurde. Dies betrifft vor allem Menschen, die sch und der Widerstands- und Handlungsphase sowie in der Erschöpfungsphase befinden. Es gibt einen eindeutigen Bezug zur Belästigung durch den Tinnitus.

    Stress ist nur einer von mehreren möglichen Einflüssen, die ein Tinnitus auf die Psyche hat. Andererseits gilt Stress auch als eine Ursache für einen Tinnitus.