Kategorie: Forschung

Tinnitus: neue Erkenntnisse – was hier untersucht wird und was das bedeutet

Diese Kategorie bündelt aktuelle Entwicklungen und neue Erkenntnisse rund um Tinnitus – von wissenschaftlichen Studien bis hin zu neuen technischen Ansätzen.

Im Fokus stehen dabei konkrete Forschungsergebnisse, klinische Studien und neue Verfahren, die in der Wissenschaft oder im Gesundheitsmarkt untersucht werden. Ziel ist es, diese Inhalte verständlich einzuordnen: Was wurde tatsächlich untersucht? Wie belastbar sind die Ergebnisse? Und welche Bedeutung haben sie für Betroffene?

Einordnung statt Erwartung – wie belastbar sind neue Ansätze?

Viele dieser Entwicklungen befinden sich noch im experimentellen oder frühen Stadium. Entsprechend wichtig ist die Unterscheidung zwischen Forschung, ersten Studienergebnissen und bereits etablierten Verfahren.

Diese Beiträge helfen dabei, neue Meldungen besser einzuordnen – ohne falsche Erwartungen zu erzeugen.

Diese Kategorie bündelt aktuelle Entwicklungen rund um Tinnitus – von wissenschaftlichen Studien bis hin zu neuen technischen Ansätzen.

Im Fokus stehen dabei konkrete Forschungsergebnisse, klinische Studien und neue Verfahren, die in der Wissenschaft oder im Gesundheitsmarkt untersucht werden. Ziel ist es, diese Inhalte verständlich einzuordnen: Was wurde tatsächlich untersucht? Wie belastbar sind die Ergebnisse? Und welche Bedeutung haben sie für Betroffene?

Viele dieser Entwicklungen befinden sich noch im experimentellen oder frühen Stadium. Entsprechend wichtig ist die Unterscheidung zwischen Forschung, ersten Studienergebnissen und bereits etablierten Verfahren.

Diese Beiträge helfen dabei, neue Meldungen besser einzuordnen – ohne falsche Erwartungen zu erzeugen.

  • Kombinationstherapien bei Tinnitus zeigen uneinheitliche Ergebnisse

    Eine im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie untersucht, ob sich durch die Kombination verschiedener Therapieansätze bei Tinnitus zusätzliche Effekte erzielen lassen. Analysiert wurden mehrere Verfahren, die entweder parallel oder nacheinander angewendet wurden. Beteiligt waren internationale Forschungseinrichtungen, die unterschiedliche Behandlungsstrategien systematisch verglichen haben.

    Die Auswertung zeigt, dass sich die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen in einzelnen Gruppen verändert hat. Ein konsistenter Vorteil gegenüber Einzeltherapien ließ sich jedoch nicht nachweisen. Unterschiede ergaben sich vor allem zwischen den untersuchten Ansätzen und den jeweiligen Patientengruppen. Teilweise traten Effekte nur unter spezifischen Bedingungen auf.

    Offen bleibt, ob bestimmte Kombinationen gezielt für definierte Patientengruppen geeignet sind und unter welchen Voraussetzungen sich die beobachteten Effekte reproduzieren lassen.

    Quelle: https://www.nature.com/articles/s41467-025-66165-1

  • Implantat-Ansatz wird in klinischer Studie untersucht

    Im Studienregister von ClinicalTrials.gov ist eine klinische Studie zu einem Implantat-System bei Tinnitus dokumentiert. Der Ansatz kombiniert akustische Reize mit elektrischer Stimulation, die über eine implantierte oder gekoppelte Komponente abgegeben wird. Ziel ist es, die Verarbeitung von Ohrgeräuschen im Nervensystem gezielt zu beeinflussen.

    Der Studienansatz gehört zu einer Gruppe von Verfahren, die auf neuromodulatorischen Konzepten basieren. Dabei wird versucht, neuronale Aktivität so zu verändern, dass sich die Wahrnehmung von Tinnitus reduziert oder verändert. Grundlage sind frühere experimentelle Untersuchungen zu solchen Effekten.

    Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Unklar ist, ob sich die Annahmen aus Voruntersuchungen bestätigen und ob sich daraus ein praktisch nutzbares Verfahren entwickeln lässt.

    Quelle: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06641999

  • Digitale Tinnitus-Anwendungen sollen stärker in den Alltag integriert werden

    Ein Forschungsprojekt der RNID beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Tinnitus-Anwendungen besser in den Alltag integrieren lassen. Im Mittelpunkt stehen digitale Lösungen, die über Alltagsgeräte genutzt werden können und keine spezialisierte Umgebung erfordern.

    Diskutiert werden unter anderem Ansätze, bei denen akustische Reize individuell gesteuert und über mobile Geräte bereitgestellt werden. Ziel ist eine kontinuierliche Nutzung, die nicht an feste Therapiezeiten gebunden ist. Hintergrund ist die Beobachtung, dass viele bestehende Verfahren im Alltag nur eingeschränkt anwendbar sind.

    Konkrete Daten zur Wirksamkeit solcher Anwendungen liegen derzeit nicht vor. Unklar ist, welche der entwickelten Ansätze über experimentelle Anwendungen hinausgehen und sich langfristig im Alltag bewähren.

    Quelle: https://tinnitus.org.uk/new-research-targets-accessible-treatment-for-tinnitus/

  • Preis-Nominierung: Tierversuch zu Tinnitus bei Wüstenrennmäusen im Fokus

    Ein Tierversuch aus Erlangen ist für den Negativpreis „Preis für den absurdesten Tierversuch 2026“ nominiert. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche führt den Fall als „Kandidat 4“. Grundlage ist eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2024. Die Abstimmung läuft vom 13. bis 24. April 2026.

    In der Studie untersuchten Forschende 38 männliche Mongolische Wüstenrennmäuse. Ein Teil der Tiere wurde unter Narkose über längere Zeit sehr lauten Tönen ausgesetzt. Solche Versuchsaufbauten werden in der Forschung eingesetzt, um gezielt eine Hörschädigung auszulösen, die mit tinnitusähnlichen Veränderungen verbunden sein kann.

    Ob die Tiere tatsächlich ein Ohrgeräusch wahrnehmen, lässt sich nicht direkt feststellen. Stattdessen greifen Forschende auf indirekte Verfahren zurück: Sie messen, wie die Tiere auf bestimmte Geräusche reagieren, und werten diese Reaktionen statistisch aus. Daraus wird abgeleitet, ob Hinweise auf Tinnitus vorliegen könnten.

    Parallel dazu analysierte das Team das Gehirn der Tiere, insbesondere den auditorischen Kortex, der für die Verarbeitung von Hörreizen zuständig ist. Dabei zeigte sich: Tiere mit solchen indirekten Tinnitus-Hinweisen wiesen Veränderungen in diesem Bereich auf. Konkret wurde eine erhöhte Dichte bestimmter Strukturen im Zellumfeld festgestellt, der sogenannten extrazellulären Matrix.

    Die Arbeit beschreibt damit einen möglichen Zusammenhang zwischen Lärmschädigung, veränderten Reaktionen auf Geräusche und strukturellen Veränderungen im Gehirn – innerhalb eines Tiermodells. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen. Eine Einordnung der bekannten Ursachen und Mechanismen beim Menschen bietet der Überblick zu Tinnitus.


    Bekanntgabe des „Gewinners“

    Bei der Abstimmung kam der Versuch mit den Rennmäusen auf Platz fünf. Er erhielt 293 von 4090 Stimmen, teilt der Verein auf der Homepage mit.

    Sieger mit rund der Hälfte der Stimmen ist ein Projekt der Ruhruniversität Bochum. Die Forscher hatten Mäusen Verbrennungen am Ohr zugefügt und Hinterbeine abgeschnürt. So wollten sie den Einfluss auf die Wundheilung untersuchen, so der Ärzte gegen Tierversuche e.V..

    Quellen: Ärzte gegen Tierversuche – Nominierung, Tinnitus-Studie mit Rennmäusen

    (Dieser Beitrag ist ursprünglich am 14.04.26 erschienen. Die Aktualisierung ist vom 22.05.2026.)

  • DGHNO-Kongress 2026 in Ulm mit breitem Programm zu Hörstörungen

    Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde veranstaltet ihren Jahreskongress im Mai 2026 in Ulm. Die Tagung gehört zu den zentralen Fachkongressen im deutschsprachigen Raum und richtet sich an Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende.

    Das veröffentlichte Programm umfasst zahlreiche Sitzungen zu Hörstörungen, darunter Beiträge zu Diagnostik, Hörverarbeitung und klinischen Behandlungsansätzen. Themenfelder reichen von audiologischer Grundlagenforschung über bildgebende Verfahren bis hin zu aktuellen Therapieansätzen. Auch Tinnitus wird in mehreren wissenschaftlichen Sitzungen behandelt, etwa im Kontext neuronaler Verarbeitung und klinischer Versorgung.

    Welche einzelnen Studien oder Ergebnisse für die Praxis relevant sind, lässt sich erst nach Auswertung der Beiträge und Veröffentlichungen beurteilen.

    Quelle: https://www.hno.org/

  • Neuromod erweitert Lenire-Verfügbarkeit auf weitere Märkte

    Das Unternehmen Neuromod vertreibt mit „Lenire“ ein System zur sogenannten bimodalen Stimulation. Dabei werden akustische Signale mit elektrischen Impulsen kombiniert, die über eine intraorale Elektrode abgegeben werden. Ziel ist es, neuronale Prozesse zu beeinflussen, die mit der Wahrnehmung von Tinnitus in Verbindung stehen.

    Im März und April 2026 wurde das System in den Niederlanden und Kanada eingeführt. Die Expansion erfolgt über nationale Gesundheitssysteme und erweitert die Verfügbarkeit eines bereits bestehenden Produkts. Das Verfahren wird bereits seit einigen Jahren untersucht und in ausgewählten Märkten eingesetzt.

    Unklar bleibt, für welche Patientengruppen das System eingesetzt wird und wie es im Vergleich zu anderen Ansätzen einzuordnen ist.

    Quelle: https://www.neuromoddevices.com/newsroom/

  • Serotoniner Schaltkreis im Hirnstamm als möglicher Treiber von Tinnitus identifiziert

    • Identifizierter neuronaler Schaltkreis verbindet eine Serotonin-Quelle im Hirnstamm mit einer zentralen Hörschaltstelle.
    • Aktivierung führt zu erhöhter Aktivität im Hörsystem und tinnitusähnlichem Verhalten bei Mäusen.
    • Hemmung des Netzwerks reduziert die Symptome; die Ergebnisse stammen bislang nur aus dem Tiermodell.

    Forschende haben in einer Tierstudie einen neuen serotonergen Schaltkreis identifiziert, der an tinnitusähnlichen Effekten beteiligt sein könnte. Dabei projizieren Nervenzellen aus dem dorsalen Raphekern in den dorsalen Cochleariskern, eine zentrale Hörregion, deren Überaktivität mit Tinnitus in Verbindung gebracht wird. Wird dieser Schaltkreis aktiviert, steigt die Aktivität im Hörzentrum deutlich an und die Mäuse zeigen Verhaltensweisen, die auf Tinnitus hindeuten. Nach Lärmbelastung waren sowohl der Serotoninspiegel im DCN als auch die Aktivität dieses Netzwerks erhöht. Eine gezielte Hemmung des Schaltkreises verringerte die Symptome. Die Ergebnisse liefern einen neuen Ansatzpunkt für künftige Therapien, sind aber bislang auf Mäuse beschränkt.

    Überzogene Erwartungen durch Medienberichte

    „Glückshormon soll Tinnitus verursachen“(Spiegel.de), „Forscher entdecken mögliche Ursache für Tinnitus“(ntv), und“Forschende finden mögliche Ursache für Tinnitus“ (Blick.ch) sind nur drei Schlagzeilen zu dieser Studie. Mit ihnen entsteht die Gefahr überzogener Erwartungen. Zum Einfluss von Serotonin auf einen Tinnitus gibt es bereits seit Jahren Forschungsarbeiten. (u.a. Serotonergic modulation of neurons in the dorsal cochlear nucleus) Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Serotonin vermutlich ein modulierender, nicht aber ein alleiniger Faktor ist.

    Die jetzt vorgestellte Studie geht einen Schritt weiter: Sie zeigt nicht nur eine Korrelation, sondern beschreibt einen konkreten neuronalen Schaltkreis (DRN → DCN), über den Serotonin tinnitusähnliche Aktivität auslösen kann – zumindest im Mausmodell. Die Studie nutzt optogenetische und chemogenetische Methoden, die eine direkte Manipulation einzelner Neuronengruppen erlauben – das erlaubt Kausalaussagen, die Beobachtungsstudien nicht leisten können. Für die klinische Praxis ist das zunächst ein Forschungsansatz, keine Therapieaussage.

    Quelle: Ein diskreter serotonerger Schaltkreis, der an der Entstehung von Tinnitusverhalten beteiligt ist

    Redaktioneller Hinweis: erstmals veröffentlicht am 23.04.2026, aktualisiert am 29.04.2026

  • Forschungsprojekt untersucht personalisierte Hirnstimulation

    Die RNID fördert ein Forschungsprojekt zur personalisierten Hirnstimulation bei Tinnitus. Das Projekt wird von einem Team der University of Antwerp durchgeführt und untersucht, wie sich neuronale Aktivität gezielt beeinflussen lässt.

    Der Ansatz gehört zu einer Forschungsrichtung, die direkt im Gehirn ansetzt und individuelle Unterschiede in der Verarbeitung von Geräuschen berücksichtigt. Ziel ist es, Mechanismen besser zu verstehen, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Tinnitus eine Rolle spielen.

    Ergebnisse aus dem Projekt liegen bislang nicht vor. Unklar ist, ob sich aus den Untersuchungen ein konkreter Therapieansatz entwickeln lässt.

    Quelle: https://rnid.org.uk/hearing-research/silencing-tinnitus/a-personalised-brain-stimulation-treatment-for-tinnitus/

  • Ginkgo-biloba-Extrakt zeigt Effekte bei chronischem Tinnitus

    • Nach 24 Wochen verbesserten sich tinnitusbezogene Beschwerden signifikant.
    • Besonders profitierten Patienten mit Angst, Stress oder normalem Hörvermögen.
    • Die Ansprechrate lag bei 18,8 %.

    Eine explorative Studie untersuchte den Einsatz des Ginkgo-biloba-Extrakts EGb 761® bei chronischem Tinnitus. 170 Patienten erhielten über 24 Wochen zweimal täglich 120 mg. In dieser offenen, unkontrollierten Untersuchung verbesserten sich alle erfassten tinnitusbezogenen Parameter signifikant. Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass insbesondere Patienten mit erhöhter Angst oder Stress sowie solche mit normalem Hörvermögen stärker profitierten, während Depression keinen Einfluss zeigte. Die Gesamtansprechrate lag bei 18,8 %. Aufgrund des Studiendesigns sind die Ergebnisse jedoch eingeschränkt interpretierbar.

    Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass Ginkgo biloba im Vergleich zu Placebo möglicherweise keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Schwere der Tinnitus-Symptome hat. Die Behandlung mit Ginkgo-bilboa-Extrakt ist eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten.

    Quelle: National Library of Medicine

    Auf dem DGHNO-Kongress in Ulm ist das Unternehmen mit einem großen Stand vertreten und präsentiert dort auch die Verarbeitung der Pflanze.

  • Kein erhöhtes Tinnitus-Risiko bei ErzieherInnen

    • Erziehende haben zwar häufig einen Tinnitus, aber nicht häufiger als in der Gesamtbevölkerung
    • Erhöhtes Risiko für Schwindel und Hörverlust
    • Prävention wichtig

    Eine retrospektive Kohortenstudie auf Basis von GKV-Routinedaten (2016–2020) zeigt erhöhte Risiken für Schwindel und Hörverlust in bestimmten Berufsgruppen. Besonders Beschäftigte in der Kindererziehung wiesen im Vergleich zu Büroangestellten höhere Odds für Schwindel (OR 1,14) sowie für Hörverlust beziehungsweise Schwerhörigkeit (OR 1,10) auf. Insgesamt lag die Prävalenz 2020 bei 3,9 Prozent für Schwindel und 3,1 Prozent für Hörverlust. Tinnitus wurde mit 2,4 Prozent dokumentiert, zeigte jedoch weder in den exponierten Berufsgruppen noch im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine erhöhte Häufigkeit. Die Autorinnen und Autoren sehen damit vor allem für Schwindel und Hörverlust Hinweise auf arbeitsbedingte Einflüsse, etwa durch Lärmbelastung, während sich für Tinnitus kein klarer beruflicher Zusammenhang ergibt.

    Quelle: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie